Architecture Art

Die Glyptothek in München

Die Glyptothek in München ist einer der ältesten Museumsbauten der Welt. Der klassizistische Bau für die von König Ludwig I. zusammengetragene Sammlung antiker Skulpturen wurde von 1816-30 durch Leo von Klenze geplant und errichtet. Auch heute noch ist das Museum einer der schönsten Orte der Stadt.

Die Glyptothek, zu errichten »im reinsten antiken Stil«, wie es in den Bedingungen des Architekturwettbewerbs hieß, ist ein nüchterner eingeschossiger Bau mit quadratischem Grundriss. Ein Portikus mit acht unkannellierten ionischen Säulen dient als Eingangshalle. Zugleich war sie der Auftakt für die Konzeption einer anlässlich der neuen Königswürde Bayerns neu zu errichtenden repräsentativen Platzanlage im Norden der Stadt: dem Königsplatz.

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Für die um einen zentralen Innenhof gruppierten Innenräume galten jedoch weniger strenge architektonische Richtlinien als für den Außenbau. Hier verwendete Klenze (den alten Griechen noch unbekannte) Deckengewölbe, welche wie die Wände üppig mit buntfarbigen Fresken ausstaffiert waren. Exponate, Architektur und Dekoration bildeten eine Einheit, ganz im Sinne eines historistischen »Gesamtkunstwerks«.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Glyptothek mehrfach von Bomben getroffen und großteils zerstört. Erst 1964 begann die Rekonstruktion unter Federführung des Münchener Architekten Josef Wiedemann, acht Jahre später konnte das Museum wiedereröffnet werden. Die Innenräume wurden nicht originalgetreu, sondern in stark purifizierter Form wiederhergestellt und zeigen heute ihre rohen Ziegelsteinmauern. Die Gestaltung der im Vergleich geradezu spartanischen Innenräume ist damit schon vom Grundgedanken her eine dezidierte Neuinterpretation Wiedemanns. Auf eine als »Fälschung« erachtete Simulation historischer Formen wurde bewusst verzichtet. Die opulente Dekoration des 19. Jahrhunderts ist einem Innenraumkonzept gewichen, das möglichst wenig von der Betrachtung der Exponate ablenken sollte. Es ging, anders als in so vielen anderen Beispielen der Nachkriegszeit, bei der Rekonstruktion demnach nicht um eine künstliche Wiederbelebung der historischen Erscheinung, sondern um die Erichtung eines den modernen Maßstäben der Ausstellungspraxis adäquates Museum. Mehr noch: Stärker als beim früheren Bau von Klenze besteht heute eine harmonische Verbindung zwischen dem Innenraum und der nüchternen Erscheinung der Außenfassade.

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Der Barberinische Faun, eine hellenistische Marmorskulptur aus dem 3. vorchristlichen Jahrhundert, ist auf fast unheimliche Weise zeitgenössisch. Verträumt lagert das mythologische Wesen aus dem Gefolge des Dyonisos – dem Gott des Weines, der Freude und des Rausches – auf einem Felsen. Es ist der Morgen nach dem großen Gelage. In seiner offensiv erotischen Pose ist er eine Ikone der Schwulenbewegung.

Ein weiteres Hauptwerk sind die Ägineten, die Giebelskulpturen des Aphaiatempels von Ägina: Griechen und Trojaner, die in heftigen Kämpfen miteinander ringen; in der Mitte wachend Athene, die Schutzgöttin der Griechen. 1811 von englischen und deutschen Archäologen auf der kleinen, unweit von Athen gelegenen Insel Ägina entdeckt, gelangte sie durch eine Auktion im Folgejahr in königlich-bayerischen Besitz.

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Neben den kunsthistorischen Schätzen heimliches Highlight der Glyptothek ist der Innenhof, eine ruhige Oase, in der man herrlich Kaffee trinken und den Tag genießen kann – vielleicht ist er sogar der schönste Ort von München. Im Sommer finden auf minimalistisch-reduzierter Bühne Theaterinszenierungen antiker Klassiker statt.

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